Angespielt: Dex – Ein bisher recht kurzer Cyberpunk-Trip

Angespielt: Dex – Ein bisher recht kurzer Cyberpunk-Trip
Ersteindruck
3.5

Das Cyberpunk-Setting hat in den letzten Jahren eher weniger Zuspruch bei den Entwicklern gefunden, so dass diese Spiele kaum auf die Bildschirme kamen. Mittlerweile haben wir aber neben dem bekannten Vertreter Satellite Reign einen weiteren über Kickstarter finanzierten Titel, der es sogar ins Steam Early Access Programm geschafft hat. Der Dex genannte Titel ist ein 2D-Sidescrolling-Cyberpunk-RPG, welches in Tschechien vom Entwickler Dreadlocks entwickelt wurde. Inspiriert wurden das Team dabei vor allem von Titeln wie System Shock und den thematischen Filmen aus den 80/90ern. Auf Kickstarter wurde vor 10 Monaten um 14.000 Pfund gebeten, die zum Ende aber sogar mehr als verdoppelt wurden. Mit über 30.000 Pfund stürzte man sich in die Enwicklung und schaffte nun den Sprung zum Early Access.

Man übernimmt die Rolle einer jungen Heldin, die einer düsteren Zukunftsvision durch die Stadt Harbor Prime läuft und einer rätselhaften KI auf die Spur kommt. Dabei kämpft sie sich sowohl durch die Realität, als auch durch den z.B. aus System Shock bekannten Cyberspace, um der KI den Garaus zu machen. Das Ganze ist als Open World Titel ausgelegt, wobei man schnell weiß, wo man langlaufen kann und wo nicht. Gewisse Areale sind einfach schon am Anfang des Spiels nicht für den Spieler geeignet. Hat man aber erst einmal ein wenig Erfahrung gesammelt, so kann man sich in eine spezielle Richtung weiterentwickeln. Anschließend wird aus dem jungen Ding eine Assassine, Hackerin oder auch eine Waffennärrin. Dafür stehen uns neben den Augmentationen die wir einbauen können auch 6 verschiedene Fähigkeiten bereit.

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In den namentlich düsteren Stadtteilen wie Smuggler’s Den oder Fixer’s Hope streifen wir umher und erledigen Nebenaufträge oder folgen der Haupt-Storyline. Die Orte sind allesamt zwar nicht umwerfend, aber thematisch sehr gut umgesetzt. Die düstere Endzeitstimmung wird audiovisuell durchaus gelungen umgesetzt. Ein Fog of War System hilft dabei, den Spieler auch ab und an mal im Dunkeln tappen zu lassen und ein Geräuschindikator und ein LoS System der Gegner kann auf Wunsch schnell zugeschaltet werden. Leider ist allerdings die Steuerung bisher alles andere als rund. Immer wieder hakelt diese und die Animationen wirken etwas hölzern. Flüssige Übergänge zwischen den einzelnen Animationen wirken immer abgehakt. Der Spieler muss immer erst eine Animation komplett beenden ehe eine andere beginnen kann. Das führt natürlich zu einer etwas steifen Steuerung, gerade wenn ich mal eine Rolle vorwärts mache und angreifen will oder einfach mal rollend voran renne. Nette Gimmicks sind die überall herumstehenden Automaten an denen ich Nahrung oder auch Kondome kaufen kann. Rita ist aber leider nicht mit von der Partie.

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Dafür gibt es z,B, im Nachtclub heimliche Liebesangebote von Bi-Sexuellen oder Lesben. Für 80 Credits darf man sich vergnügen und darf dann aber nicht mal ein Bild oder etwas erwarten. Stattdessen gibt es nur eine Ladebildschirm und wir finden uns in Charlenes Wohnung wieder – nach dem Sex. Dazu ist sie auch noch eine Händlerin und verkauft uns Schmuddelhefte, Stimulanzmittel und eine Erotik-DVD. Als wäre das noch nicht genug, gibt es auch bei ihr Kondome. Diese sogar zum gleichen Preis wie am Automaten. Wer würde da denn noch zum Automaten rennen… Nichst desto trotzist die Zielgruppe aufgrund des düsteren Settings sicher eher 16+, da ja z.B. auch auf Menschen geschossen wird. Immer wieder tauchen Probleme in allen Schichten auf. An einer Stelle z.B. bringt ein junger Mann uns zu seiner Mutter, die Probleme mit der Milz hat und dringend eine Transplantation braucht. In Frage- und Antwort-Spielchen (bei denen man – warum auch immer – scrollen muss, um teils alle Antworten zu lesen) versuchen wir dann mit Tipps zu helfen. In diesem Fall haben wir die Auswahl zwischen “Geh zum Cyber-Doc und stehle dort eine”, “Spende deiner Mutter deine Milz (quasi opfer dich selbst)” oder “Wieviel Credits braucht ihr?”.

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Gelungen ist vor allem auch die Spielwelt an sich. Diese wirkt zumindest über weite Strecken recht lebendig. Überall laufen Menschen umher, auch wenn man mit diesen zu 95% nicht interagieren kann. Dennoch kaufen diese z.b. am Automaten Kondome oder unterhalten sich. Man fühlt sich selten allein, außer man ist in einer düsteren Ecke der Spielwelt gelandet. Nett gemacht sind auch die Trigger an diversen Stellen. So fliegen z.B. diverse Vögel weg, wenn man an ihnen vorbei läuft. Kleine Gimmicks sind natürlich auch dabei, so verkauft uns die Dönerbude einen handelsüblichen Kebab und drinnen drehen sich die Spieße in einem flotten Tempo im Kreis.

Weniger erfreulich ist dagegen der Umfang des Spiels. Denn in der aktuellen Version gibt es noch nicht wirklich viel zu tun. Mit knapp 2 Stunden Spielzeit ist auch schon alles erlebt worden, was man aktuell im Spiel machen kann. Daher muss ich sagen, dass man aktuell trotz der eigentlich tollen Idee und auch den guten Umsetzungen bei Optik und Soundkulisse vorsichtig sein sollte. Mit Kosten von 15,99€ ist Dex nicht gerade ein Schnapper, wenn man die aktuell verfügbare Spielzeit nimmt. Dazu eine nicht editierbare Steuerung und viele weitere kleinere Mängel. Dennoch macht Dex mit dem bisherigen Inhalt Spaß, aber eben nur sehr kurz. Wer also darauf hofft, dass der Titel später auch in Punkto Länge glänzen kann und endlich wieder in einem tollen Cyberpunk-Setting abtauchen will, der sollte sich den Titel vielleicht genauer anschauen. Alle anderen sollten aber vielleicht noch ein paar Patches oder sogar bis zum fertigen Release warten, damit man nicht zu sehr enttäuscht wird, was den Inhalt angeht. Es ist eben noch immer ein Early Access Titel und da ist jeder Titel anders, was den Entwicklungsstand und Fortschritt angeht. Hier aber noch der Early Access Start-Trailer: