Angespielt: Jagged Alliance: Flashback – Der Kern stimmt und die Inhalte wachsen…

Angespielt: Jagged Alliance: Flashback – Der Kern stimmt und die Inhalte wachsen…
Ersteindruck
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Als Full Control im Frühsommer 2013 mit einer Fortsetzung der Jagged Alliance Serie unter dem Namen Jagged Alliance Flashback warb, war ich direkt begeistert und unterstützte die Kickstarter-Kampagne rund um den Klassiker. Unter dem Strich war ich einer von über 7.000 Unterstützern, die insgesamt $368K aufbachten. Doch schon im Herbst 2013 – als man Space Hulk veröffentlichte – bekam ich einige Zweifel. Denn Space Hulk war zwar im Kern originalgetreu umgesetzt worden, doch mangelte es bei dem Titel an einigen Stellen, allem voran an der Usability und der Flüssigkeit des Spielablaufs. Dennoch behielt ich die Hoffnung, dass man daraus lernen würde und es sich mit einer starken Marke wie Jagged Alliance sicher nicht verscherzen wollen würde.

Full Control hat es sich zur Bestimmung gemacht, JA2 Fans zufrieden zu stellen. Hoffen wir das dies gelingt, gute Voraussetzungen sind schon da.
Nun ist man seit Mitte Mai im Early Access auf Steam angekommen und hat sogar rund 6 Wochen später schon den ersten Patch geliefert. Dieser bot einige Neuerungen, die das Projekt Jagged Alliance einen deutlichen Schritt näher brachten. Ein Wetter-System, Tag und Nacht Wechsel, Gegenstände wie Granaten oder Schrott werden fallen gelassen, Umgebungen sind teilweise zerstörbar, Modding für Söldner, Rüstung und Waffen sowie unterschiedliche Umgebungen wurden integriert. Des Weiteren wurde an der Grafik geschraubt, es gibt 22 neue Sektoren samt Inhalten, man kann nun Bluten und Heilen, ein Inventar ist vorhanden und es gibt einige neue Missionen. Für ein Update nach nur 6 Wochen ein wirklich großes Update. Doch in wie weit kann man Jagged Alliance nun schon empfehlen?

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Nach den 2 eher durchschnittlichen Titeln JA: Back in Action und JA Online setzen viele Serienfans die Hoffnung auf das Team von Full Control. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass es sich hier um eine Early Access Version handelt. Eine Alpha Version, die noch in keinster Weise ein fertiges Spiel darstellt. Es gibt im Spiel einige Bugs und Features fehlen teilweise noch gänzlich. Bedenkt dies bitte, bevor ihr nachher gefrustet seid. Wer aber unbedingt schon mal einen Blick hinter die Kulisse werfen will, der kann in dem frühen Stadium auch selbst im Forum Kritik anbringen und Verbesserungen zu Papier bringen. Die Entwickler sind offen für alle Formen von Kritik und Anregung.

JA:F wartet nicht lange bis der Spieler sich ins Getümmel stürzen darf. Im Hauptmenü darf man nur eine neue Kampagne starten, die alte fortsetzen, in den Optionen die Tastenbelegung ändern oder das Spiel verlassen. Schnell ist also klar welchen Weg man als Maus-Tastatur-Junkie einschlägt. Das neue Spiel ist schnell gestartet (kurze Ladezeiten) und schon finden wir uns im fiktiven Staat San Hermanos im Jahre 1988 wieder. Ein Waffenschmuggler und Dealer namens The Prince treibt sein Unwesen als kleiner Diktator der Insel und hat laut Gerüchten Massenvernichtungswaffen. Das finden die USA natürlich weniger gut und prompt wird ein Team entsandt, das die Oppositionsführerin aus den Fängen des bösen Diktators befreien soll – natürlich unbemerkt. Dies klappte auch hervorragend, doch wurde der Helikopter der zur Flucht verhelfen sollte sabotiert und stürzte  ab. Unser Protagonist überlebt den Absturz und macht sich nun auf die Suche nach eventuellen Überlebenden.

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Diese kurze Einleitung wird mit 5 Bildern und jeder Menge Text erzählt. Da ich aber davon ausgehe, dass wir hier von einem Platzhalter reden ignoriere ich das eher dürftige Design der Vorgeschichte. Auf der ersten Karte rennen wir in Echtzeit schnell gen Nordosten und treffen auf den Helikopter. Ein paar Funksprüche später treffen wir auch schon auf die ersten Wachen von “The Prince” und der rundenbasierte Kampf beginnt. Ab sofort stehen uns wie in dem Genre meist üblich gewisse AP Punkte zur Verfügung mit denen wir Gehen, ducken, schießen und weitere Dinge erledigen dürfen. Das Gleiche gilt natürlich für die Gegner und so taktiert man sich von Deckung zu Deckung. Immer wieder schaut hinter der Deckung empor und gibt Schüsse in Richtung der Gegner ab, bis diese am Boden liegen. Das geht zu Anfang noch relativ schnell. Ein guter Kopftreffer und die Jungs sind Geschichte. 2-3 Treffer in die Brust und auch hier wird das Zeitliche gesegnet. Gleiches gilt aber auch für uns selbst, weswegen die Taktik auch schon am Anfang zumindest etwas durchdacht werden sollte. Sicher ist die KI der Gegner teilweise noch nicht die hellste, aber auch die Jungs haben mal Glückstreffer. Und nichts ist ärgerlicher als ein verlorener Söldner.

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Nachdem man die erste Karte absolviert hat wird man in die Stadt Badilla geschickt und soll dort den Barbesitzer Spice interviewen. Dazu gibt es auf der Insel jede Menge weiterer Söldner, von denen man sich doch 1 oder 2 rektrutieren sollte. Über eine Übersichtskarte der Insel die in einzelne Quadrate aufgeteilt ist bewegt man sich von Sektor zu Sektor. Dort werden auch Questmarker und andere Informationen angezeigt. Dazu gibt es einen Söldner Rekrutierungsbildschirm bei dem wir zu Beginn einen zweiten Söldner aus 8 wählbaren Charakteren selektieren.  Diese haben unterschiedlichste Fähigkeiten vom Schießen über Handwerk, Medizin bis hin zum Nahkampf, Umgang mit Sprengstoff, Unsichtbarkeit und ein paar Standardwerte wie Phsysische Werte, Koordination und Intelligenz. Dank unserer 3.500 US Dollar können wir uns aber nur einen oder zwei (je nach Preis) aus 5 schwächeren Söldnern auswählen.

Nun gilt es in einem recht simplen Klickspiel über die Karte zum nächsten Gebiet zu wandern. Dies geschieht durch das Klicken auf die umliegenden Sektoren. Dabei wird unser Charakter-Icon langsam auf das Feld weitergezogen und wir können nun einen Blick in diesen Sektor werden – wenn wir wollen. Ab und an kann es aber auch Zufallsereignisse geben, so dass wir beim Navigieren zwischen den Sektoren auf Gegner treffen, die uns das Leben schwer machen wollen. In meinem Fall hatte ich aber Glück und ziehe direkt in den nächsten Sektor. Dieser ist Badilla und prompt erscheint auch eine Warnung, dass dieser Sektor voller Gegner ist und ich nun entweder kämpfen oder fliehen muss. Ich entscheide mich für den Kampf und werde direkt mit einem Gewitter begrüßt, das wie oben erwähnt seit dem letzten Patch immer wieder mal auftauchen kann. Die Wassereffekte sind hübsch gemacht und sorgen für eine gute Stimmung. Wenn meine Söldner nun noch den ein oder anderen Spruch rauslassen würden oder die Klamotten zumindest nass aussehen, wäre das Flair noch stimmiger. Nach ein paar simplen Fragespielchen bzw. Verhören wissen wir auch wo der gute Spice sich befindet und wir machen uns zu dritt auf den Weg zu ihm. Doch ein paar Meter weiter warten schon die nächsten Jünger des Diktators. Diesmal möchte man es uns zu Viert zeigen. Aber meine 3 Söldner sind bestens ausgerüstet und dürfen mit meinem Gehirn interagieren. Also werden die nach wie vor etwas dummen KI-Söldner brav ins Jenseits befördert damit die Suche nach Spice weiter gehen kann. Dazu nutzt man die naturgegebene Deckung aus Palmen oder Felsen. Dazu gerne auch mal Türen, Kisten oder Hauswände. Des Weiteren gibt es noch 3 weitere Zustände wie Stehen, Ducken und Liegen. Selbstredend ist das liegen die sicherste Position, da man sich so hinter allen Objekten gut verstecken kann, auch wenn diese mal nur halb hoch sind. Nachladen gehört auch schon zum Repertoire, kostet aber bisher nicht wirklich was. Warum eigentlich? Ich denke hier wird aber noch etwas mehr Mechanik folgen, wir sind ja immer noch in einer frühen Alpha.

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Insgesamt bietet JA:F schon im aktuellen Zustand einiges an Spielspaß, kann man doch einige Sektoren besuchen. In Punkto Optik holt man schon einiges aus der Unity Engine heraus, hat aber immer wieder mit verwaschenen Texturen zu kämpfen. Auch die Zoom-Option ist eher ein Witz, da man nicht wirklich weit hinein zoomen kann und die niedrigste Stufe auch nicht wirklich einen Überblick bietet. Ich hoffe, dass man hier noch wie z.B. in Dota2 näher ran zoomen kann oder vielleicht sogar einen Frontalblick wagen darf in dem man seinen Söldner von vorne sehen kann (die Taste I in Dota 2 für die die es nicht wissen). Die Musikuntermalung ist eher durchwachsen und konnte mich nicht wirklich begeistern. Auch das Gestöhne bei Treffern und die Befehls-Kommentare sind zwar nett aber nicht atemberaubend. ein paar mehr kesse Sprüche und Co. würden mich hier freuen.

Das Interface ist überschaubar, aber recht dürftig. Der Charakterscreen ist fast schon hässlich simpel und wird sich noch bis zum Release eine Überarbeitung erfahren. Hier sieht man die Allgemeinen Werte, die Ausrüstung, das Inventar und weitere Infos wie z.B. das Gewicht, welches aber noch nicht ins Spiel integriert ist. Später werden sich zu beladene Personen sicher mit AP Strafen abgeben müssen. Was Full Control hier zeigt ist durchaus gelungen und mit dem richtigen Feintuning, vielen weiteren gut ausgearbeiteten Inhalten und zusäzlichen Features könnte hier ein wirklicher JA2 Nachfolger entstehen. Wer nicht bis zum Ende des Jahres warten kann, der darf sich schon jetzt für knapp 30€ ins Getümmel stürzen. Diese 30€ ist es zwar noch nicht wert, wird es aber sicher bald sein. Denn Full Control hat es sich zur Bestimmung gemacht, JA2 Fans zufrieden zu stellen. Hoffen wir das dies gelingt, gute Voraussetzungen sind schon da. Hier noch der letzte Update Trailer, der lustig gemacht ist: