Angespielt: Nether – Weder Fisch noch Fleisch?

Angespielt: Nether – Weder Fisch noch Fleisch?
Ersteindruck
2.5

Als ich das erste Mal von Nether hörte und später die Trailer sah, klang das nach einem durchaus interessanten Genre-Mix aus Survival a la DayZ und diversen Shootern in einem “MMO” Universum. Hinter dem Titel steckt mit Phosphor Games eine Firma die zuletzt via Crowdfunding auf Kickstarter und später auf der eigenen Seite versuchte das Unreal Engine Spiel “Project Awakened” ins Leben zu rufen. Leider kam die Finanzierung auf beiden Plattformen nicht ins Ziel. Mittlerweile ist dafür ihr anderer Titel Nether auf Steam im Early Access Programm gestartet (Achtung BETA!) und wirbt nun um eine Spielerschaft. Wie üblich müssen natürlich die Server bei solchen Titeln gut gefüllt sein, was aber bei Nether aktuell noch der Fall ist.

Nach einer weltweiten Katastrophe gibt es Jahre später Dämonen auf der Erde, die mittlerweile in Schutt und Asche liegt. In den Überresten findet der Kampf gegen die Nether genannten Kreaturen (nein, diesmal keine Zombies) statt und es gilt sich überlebensfähig auszurüsten. Im Spielverlauf begegnet man dabei immer wieder den Shriekern, Meatsacks und Huntern, die einem das Leben mit Teleportfähigkeiten und Hilferufen schwer machen. Allerdings sind die Gegner häufig alles andere als intelligent. Die KI schafft es in der Tat sich teilweise einfach mal an Hauswände zu teleportieren um dann einfach in den Tod zu fallen. Auch sonst konnte ich leider viele Mobs sehen, die einfach “buggy” in der Gegend herumstanden und mich teilweise nicht mal wahr nahmen. Insgesamt scheint die Spielwelt nicht so ganz mit der KI zusammen zu arbeiten, anders kann man sich diese teils wirklich groben KI-Aussetzer nicht erklären.

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Um zu überleben muss man sich dennoch vor den Gegnern in Acht nehmen, da eben nicht alle von der KI selbst überlistet werden. Hat man also eine mangelhafte Ausrüstung kann der Tod dennoch schnell vorbei schauen. Aus diesem Grund ist es wichtig sich stets mit Essen, Trinken, Medizin und vor allem Waffen und Munition einzudecken. Diese sind vor allem an den Rauchsäulen am Himmel zu finden, da dort abgestürzte Helikopter mit vollem Arsenal liegen. Skurril ist allerdings, dass die Waffen nicht auf dem Boden liegen oder irgendwie in die Umgebung integriert wurden. Diese schweben egal ob Schuss- oder Nahkampfwaffe wie mit Magie erfüllt in der Luft. Das kennt man eigentlich eher aus Spielen wie Team Fortress oder Rennspielen wie Wipeout und wirkt in Nether irgendwie fehl am Platz. Gut – wenn auch unrealistisch – ist das den Tod überlebende Inventar. Gegenstände werden automatisch auch beim nächsten Charakter verfügbar gemacht. Anders ist dies bei den Erfahrungswerten bzw. Leveln die man aufsteigen kann. Diese gehen wenigstens wie für ein Survival Spiel üblich verloren wenn man stirbt.

Nett gemeint sind dagegen die PvE Events in denen man ab und an die Safe Zones verteidigen darf oder andere Menschen eskortiert. Hier kann man sich im Sammel- und Suchalltag etwas Abwechslung verschaffen. Allerdings könnte die Missionsauswahl durchaus noch deutlich erweitert werden. Ein weiterer Bonus den man dem Titel zu Gute halten muss ist der Versorgungsnachschub. Von Zeit zu Zeit fliegen Flugzeuge über die Karte und werfen neue Gegenstände ab. Dies sorgt natürlich für einen Auflauf der interessierten Spieler und somit endlich mal für etwas Spannung beim Vormarsch.

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Komische Momente kommen vor allem durch die Fahrzeuge auf. Egal ob Krankenwagen oder Polizeifahrzeug – die Batterien der Autos müssen einzigartig sein, wenn sie ununterbrochen über ein Jahrzehnt halten – wer hat da in der Schule nicht aufgepasst? Ansonsten bietet die düstere Endzeitstimmung durchaus atmosphärische Momente voller liegengebliebener Autos, zerstörten Gebäuden und überwucherten Straßen, wenn gleich auch die Objekte und Gebäude sich relativ schnell wiederholen und Neuerungen mangels weiterer “Level” ausbleiben.

 Trotz des Kaufprinzips für Nether gibt es natürlich einen Ingame-Shop, in dem man allerhand Krempel gegen die Spielwährung kaufen kann. Dort findet man Waffen, Munition und viele weitere Dinge, die einem das Leben erleichtern. Diese Shopping-Erlebnisse führt man in den sogenannten “Safe Zones” durch, in denen es keine Schießereien gibt und man sich hier sicher ausruhen kann. Ausruhen muss man sich allerdings eher selten, da sich ein Hauptteil des Spiels damit beschäftigt maximal von A nach B zu rennen. Dabei sammelt man auf dem Weg Essen, Trinken, Spielkarten oder Spielgeld ein, begleitet Personen als Schutz und verdient sich damit sein täglich Brot. Die Server haben wie oben erwähnt zwar durchaus 20-60 Mitspieler, allerdings sind die Karten so groß, dass selten echte, gr0ße Gefechte entstehen. Counter-Strike macht da wohl mehr Spaß, wenn man PvP möchte und das Überleben kann ich auch in Minecraft üben. ;-) 

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Auch ein Echtgeld-Shop ist mit von der Partie. Dort bezahlt man mit Goldmünzen, die man in 10er Packs für knapp 7€ kaufen kann. Diese sind allerdings nur für kosmetische Dinge zu benutzen und schaffen kein Pay 2 Win. Wenn ich allerdings fast 19€ für einen Titel ausgebe überlege ich mir doppelt Geld im Shop zu lassen – vor allem in einer Beta.

Im bisherigen Stadium kann ich Nether leider nicht wirklich empfehlen. Irgendwie konnte ich mit dem Titel nicht warm werden. Dazu macht der Titel einfach zu viel falsch. Egal ob Ingame Shop in der Endzeit, zu große Karten für die Spielerzahl oder die erwähnten schwebenden Waffen sind echte Stimmungskiller. Sicher gibt es auch ein paar gute Ansätze, allerdings reißen diese den Titel nicht raus. Man kann wirklich sagen dass Nether weder Fisch (Survival) noch Fleisch (Shooter) ist und dabei einfach keine jeweiligen Genrefans so recht glücklich machen wird.  Auch das Essen und Trinken ist so selten benötigt, dass es kaum die Angst um das eigene Überleben ankurbelt. Immer wieder findet man etwas zu Essen und wirft es sich halt kurz ein. Nervenkitzel geht anders. Nett sind dagegen die Flugzeuge und Boss Events, welche dem Spiel die notwendige Abwechslung verleihen. Wer auf der Suche nach einem Fisch-Fleisch ist, der kann sich Nether mal anschauen – große Erwartungen sollte man allerdings noch nicht haben. Ich hoffe, dass die Entwickler bis zum vollen Release noch etwas nachlegen werden – und zwar mit richtigen Features und nicht nur Kleinigkeiten.