Test: Divinity: Dragon Commander

Test: Divinity: Dragon Commander
Spielspaß
4
Umfang
3.5
Grafik
3.5
Sound
3.5
Wertung
3.63

Seit rund 2 Wochen ist Divinity: Dragon Commander unter anderem über Steam erhältlich. Damit ist es an der Zeit sich den neuesten Streich der Larian Studios anzusehen, welche zuletzt im April 2013 erfolgreich für ihr nächstes Spiel Divinity: Original Sin – einem RPG – auf Kickstarter warben.

Doch worum geht es in Divinity: Dracon Commander? In der Zeit vor den alten Divinity Teilen müssen wir in einem Steampunk-Setting als Bastard-Sohn (Grüße an John Snow) des ermordeten Kaisers und einer Drachenfrau die Geschicke des Landes Rivellon in die Hand nehmen und zusammen mit oder gegen Zwerge, Echsen, Untote, Elfen und Imps für Ordnung sorgen.

Dabei vermischen die Entwickler die Grenzen zwischen vielen verschiedenen Genres. So gibt es im Kern ein “handelsübliches Echtzeitstrategiespiel bei dem man auf einem Jetpack-Drachen selbst in die Kämpfe einsteigen kann, während es auf der strategischen Karte mit Diplomatie ein Imperium zu besetzen gilt. Einen Teil des Spiels verbringen dazu also wir auf der  hübschen Landkarte und versuchen im Risiko-Stil Truppen zu kaufen, zu verschieben und Angriffe auf andere Länder zu starten, um unter anderem unsere ehelichen Halbbrüder in ihre Schranken zu weisen. Das Ganze geschieht natürlich rundenbasiert, so dass wir in Ruhe planen können.

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Immer wenn wir Truppen in den Kampf schicken oder der Gegner uns in unsere Schranken weisen möchte, kommt es zu einem Gefecht. Hierbei können wir auswählen, ob wir einen der Generäle gegen Geld in die Schlacht ziehen lassen oder nur unsere Truppen schicken (das Spiel berechnet diese Kämpfe automatisch) oder ob wir als Jetpack-Drache selbst den Einsatz befehligen und von Zeit zu Zeit ins Gefecht eingreifen.

Auf der Schlachtenkarte angekommen geht es dann mit einer Light-Variante von Basenbau, Zweitbasenbesetzung und anschließendem Truppenausbau los. Wir erstellen in unseren Werkstätten allerhand Kriegsmaschinerie mit der wir uns im Kampf gegen die Gegner behaupten müssen, um so die Herrschaft auf der Karte an uns zu reißen und ein weiteres Land auf der Risiko-Karte einnehmen. Die Ressourcen werden dabei vom Spiel vorgegeben. In zeitlichen automatisierten Abständen bekommen wir “nicht sichtbare” Rektruten in der UI hinzu, durch welche wir Häuser und Truppen bauen. Allerdings an vorbestimmten Punkten. Während wir also Anfangs an 2 Punkten in unserer Basis Gebäude bauen und dort anschließend mit dem immer wieder hochzählenden Rekrutenstand neue Truppen produzieren, schicken wir unsere Starttruppen ins Gefecht. Auf dem Weg dahin laufen wir an ein paar neutralen Festungen vorbei, die wir durch nahes Rumstehen für uns einnehmen. Einmal geschehen können wir hier umgehend die nächste Basis bauen, um den Truppennachschub noch schneller zu gewährleisten.

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Durch die eingeschränkten Mittel im Ressourcenabbau und Basenbau spielt sich die Kampagne von D:DC relativ monoton. Man bekommt bis zur Beendigung der ersten von drei Kampagne rund 10 Schlachten (je nach Spieler auch mehr oder weniger) kaum neue Einheiten zu Gesicht und weitere Gebäudetypen lernt man erst gar nicht kennen. Alles ist recht strikt vorgegeben.

Für die nötige Abwechslung könnte aber vielleicht der Drachenmodus sorgen? Im eben diesem Modus können wir für den Obulus von 20 Rekruten selbst in das Echtzeitgefecht einsteigen und dort mit dem Drachen für ordentlich Feuer unter dem Hintern der gegnerischen Truppen und Gebäude sorgen. Dabei haben wir einige Fähigkeiten zur Auswahl, die wir später auch noch erweitern können. Mit dem Drachen düsen wir also im Eiltempo über die Landschaft und greifen mit Feuer oder Säureangriffen die gegnerischen Truppen an oder sorgen für entsprechend gute Buffs bei den eigenen Truppen. Dank Boosttaste fliegen wir zur gegnerischen Basis und vernichten einen Turm um umgehend erneut mit dem Boost aus dem hitzigen Gefecht zu fliehen. Sollten wir wider Erwarten sterben, so können wir nach einiger Zeit einfach erneut mit dem Drachen ins Gefecht einsteigen.

Das Action-Element in D:DC ist an und für sich schon gelungen und spielt sich wirklich flott, allerdings macht es die Echtzeitstrategiekämpfe ziemlich langweilig. Der Drache ist für meinen Geschmack viel zu stark und man kann damit sogar ohne irgendeinen Truppeneinsatz die Karten der ersten Kampagne gewinnen (Kein Wunder: Es gibt sogar ein passendes Achievement “Gewinne einen Kampf bei unter 15% Siegeschance”).

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Ist man einmal nicht auf der rundenbasierten Karte oder in den Echtzeitkämpfen unterwegs, so klickt man sich durch grafisch hübsch in Szene gesetzte Bereiche auf seinem fliegenden Schiff indem man die verschiedenen Räume wie Thronsaal, Brücke, Bar, Königliche Gemächer etc. aufsucht. Dort begegnen einem die verschiedenen Botschafter anderer Völker und die anheuerbaren Generäle für die Schlachten. In gelungener deutscher Sprachausgabe erzählen sie einige Schmankerl und sticheln gegenseitig was das Zeug hält – das macht den Diplomatie-Teil des Spiels ziemlich erfrischend. Im Thronsaal kommt es regelmäßig zu Diskussionen unter den Völkern, ob man Steuern, Wehrdienst etc. einführen soll. In der Regel sind immer 2 Parteien dafür, 2 Parteien dagegen und einer ist neutral gestimmt. Je nachdem wie man sich entscheidet, gibt es Vergünstigungen oder negative Aktionen des jeweiligen Volks, mit denen man leben muss.

Zusätzlich kann man auf dem Schiff seinen Drachen und Einheitenfuhrpark ausbauen und verbessern. Das Ganze natürlich nur gegen nach und nach zu verdienende Forschungspunkte. Allerdings sind die Verbesserungen für die Truppen i.d.R. nicht wirklich vielversprechend. Hat man einen großen Stock “Grundeinheiten” reicht das meist auch zum Sieg. Die Spezialfähigkeiten kommen eher selten zum Einsatz. Ich empfehle daher eher die Variation im Einheitenfuhrpark zu vergrößern, als zu viele Forschungspunkte in Truppenverbesserungen zu stecken. Außerdem braucht man die gleichen Punkte auch für den Drachenausbau. Und da dieser ja sowieso schon übermächtig ist macht es auch Spaß ihm noch eine Prise mehr Macht zu schenken. Wozu Truppenbau – ich habe ja einen “IMBA”-Drachen. :-)

Trotz einiger Mängel macht Divinity: Dragon Commander insgesamt vieles richtig und birgt eine Menge Spaß beim Spielen. Die Mischung aus verschiedensten Elementen unterschiedlicher Spieletypen ist auf einer gewissen Basis gelungen. Ein wenig mehr Feintuning beim Drachen wäre aber nicht schlecht gewesen. Besonders im Mehrspieler Modus kann man einige Zeit verbringen, da man dort im Kampf Mann gegen Mann weniger Vorteile genießt. Wer gerne Abwechslung in Form von verschiedenen Genres beim Spielen genießt, der ist hier goldrichtig. Im Wechsel kann man Rundenstrategie, Echtzeitstrategie und Action bekommen.

Auf Steam oder direkt über die Larian Studios könnt Ihr den Titel für 39,99€ kaufen und euch anschließend durch die Singleplayer Kampagne sowie unzählige Multiplayergefechte kämpfen. Viel Spaß dabei.