Test: Gods Will Be Watching – Eine Geschichte über Folter, Geiseldramen und hohe Schwierigkeitsgrade

Test: Gods Will Be Watching – Eine Geschichte über Folter, Geiseldramen und hohe Schwierigkeitsgrade
Spielspaß
3.5
Umfang
4
Grafik
3.5
Sound
4
Wertung
3.75

Es ist doch immer wieder schön zu sehen, wenn Indietitel aus GameJam Ideen entstehen. So geschehen auch bei Gods Will Be Watching, dem Survival Point & Click Adventure Thriller in gelungener Retro-Pixel Optik von Deconstruct Team. Damals saßen ein paar Menschen rund um ein Feuer und mussten sich in der Kälte am Leben halten. Das war schon ziemlich herausfordernd und sollte es auch sein. Dank einer Indiegogo Kampagne, die das 2.5 fache der erhofften Summe einspielte, konnte man mit der Produktion eines kompletten Spiels beginnen. Mit der Veröffentlichung der kürzlich erschienen Endversion hat man den Schwierigkeitsgrad kein bisschen verringert. Nach wie vor ist Gods Will Be Watching ein bockschwerer Titel, dem nicht so einfach beizukommen ist.

Dieser düstere Sci-Fi Thriller besticht durch eine spannende und vor allem glaubwürdige Geschichte, wenn man es denn spielerisch durch die einzelnen Kapitel schafft.
Schon zum Start macht einem das Spiel deutlich, dass dies kein Zuckerschlecken wird. Selbst auf Leicht ist GWBW noch so schwer, dass man einige Anläufe brauchen wird, ehe man weiß wie man eine Szene lösen kann. An den “Normal” Modus will ich erst gar nicht denken. So gern ich auch rätsel oder mal Sudoku-Rätsel löse, GWBW auf Normal ist definitiv nichts für mich. Von daher spreche ich in diesem Test mehr oder weniger ausschließlich über den leichten Modus und werde trotzdem von “sche*** ist das schwer” reden und fluchen.

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Das in 7 Kapitel unterteilte Spiel erzählt eine Sci-fi Geschichte rund um den “Spion” Seargent Burden,  die galaktische Föderation und die Xeolifers, einer Terrorzelle die gegen die Alienversklavung ist. Unser Ziel ist es, zu einer friedlichen Lösung zu kommen, doch dass dies gelingt ist wohl eher ein Wunschtraum. Diese Reise durch die verschiedensten Szenarien, die uns so einiges abverlangen ist nicht nur spielerisch eine schwere Kost. Auch die Story wirft so einige Schatten auf.

Direkt zu Beginn befinden wir uns in einem Labor und haben zusammen als Spion unter den Xenolifern die Aufgabe Wissenschaftler unter Kontrolle zu halten, die Föderation vom Stürmen zu stoppen und dazu noch das Hacken des Systems voranzutreiben, um eine Massenvernichtungswaffe zu stehlen. Diese Angelegenheit ist wie schon oben erwähnt nicht gerade einfach. Wenn wir zu viel Augenmerk auf das Hacken legen, werden die Geiseln mutig und rennen davon. Erschießen wir diese beim Versuch der Flucht, wird unser Kollege, der der Föderation einhaltet gebietet nachdenklich und bekommt Zweifel. Beim Gut Zureden geht der Alarm an und das Hacken kann nicht weiterlaufen, da eine Sicherheitsbarriere das verhindert.  Also reden wir mit dem Hacker, damit er die Sicherheitsbarriere wieder knackt. Dabei verlieren wir erneut die Drohungen und Gespräche mit den Geiseln aus den Augen und schon ist der 2. Flüchtling am Start. Wieder schießen oder laufen lassen ist die Frage?! Schießen wir kommen vielleicht wieder Zweifel auf, andererseits ist Flucht auch keine Lösung, denn sind alle 4 Geiseln tot oder weg gerannt, stürmt die Föderation die Bude.

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Ich hoffe dieser kleine Einblick gibt euch schon gut zu denken, wie man das wohl lösen könnte. Stets gilt es alle Faktoren genau abzuwägen, um den richtigen Weg heraus zu arbeiten. Dabei darf man gerne 3,5 oder auch 10 Mal scheitern, nur sollte man dabei zusehen Dinge aus den Fehlern zu lernen und beim nächsten Mal besser zu machen. Sicher könnte man auch mal probieren einfach nur die ganze Zeit zu hacken und hoffentlich schnell genug zu sein. Aber ich denke wir wissen alle, dass dies zu einfach wäre. Wir würden schneller gestürmt werden als wir hacken könnten. Natürlich gibt uns das Spiel auch einige Hilfen in Form von Anzeigen auf Bildschirmen an, allerdings hilft dies nur bedingt beim Vorankommen. Immer mal wieder sollte man auch nach rechts laufen, um zu sehen wie weit die Föderations-Polizei schon vorgedrungen ist. Jedes Gespräch und jeder Befehl kostet dabei einen gewissen, unbekannten, Zeitwert X um den das Spiel bei der Aktion voranschreitet. Somit muss man sich gut überlegen, was wann wirklich notwendig ist und was vielleicht unnötig war, ohne ganz genau zu wissen ob dieser Schritt wirklich zuviel war.

Und genau hier liegen neben dem Ehrgeiz auch die Frustfaktoren im Spiel. Zocker, die Erfolge brauchen und nicht lange mit einem Misserfolg nach dem anderen aushalten, für die ist GWBW sicher weniger geeignet. Klar freut man sich riesig, wenn man eine Szene erfolgreich beendet hat – auch wenn es nur auf “Leicht” ist. Andererseits kommen sicher einige Spieler gar nicht so weit und verfluchen das Spiel schneller als man es sich wünschen kann. Denn Gods Will Be Watching ist wirklich gut inszeniert, nur leider dabei auch extrem fordernd. Entgegen anderen Point & Click Adventures ist GWBW kein “Such und Find”-Spiel oder ein “Kombiniere dies mit dem”-Titel. Hier geht es nur um das Trial & Error Prinzip mit bekanntem Ziel, das so manchem sicher nicht zusagen wird.

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Hat man sich im Forschungslabor erfolgreich ausgetobt, folgen noch 6 weitere Streiche, die einem sicher das Leben nicht leichter machen. Egal ob Folter, die bekannte Überlebens-“Schlacht” in der Wildnis, eine Höhle oder weitere fiese Szenarien… Gods Will Be Watching fordert uns so richtig! Und dabei bekommen wir nicht einfach nur die Szenarien aneinandergereiht präsentiert. Nein, eine richtige Story mit Tiefgang, Konflikten und glaubwürdigen Freunden und Feinen entfaltet sich. Egal ob es der fiese Liam der Xenolifer oder unser Militärfreund Jack ist, alle Figuren haben wirklich etwas zu erzählen, das nicht einfach nur belanglos ist.

Geschmackssache ist dagegen sicherlich die Grafik. Pixel Art ist ja schon etwas länger wieder so richtig in Mode und ich bin auch schon sehr gespannt wie das Ganze z.B. in My Way rüber kommt. Aber auch hier werden einem tolle Szenerien geliefert, die trotz der Pixel Art äußerst detailliert daherkommen und der Geschichte durch Animationen und Co. Leben einhauchen. Auch die Menschen im Spiel sind trotz ihrer “langen” Beine und Körper stilsicher inszeniert. Deconstructeam hat hier neben den “Rätseln” auch optisch ganze Arbeit geleistet. Besonders schön wäre sicher noch eine richtige Vertonung zum Spiel, aber auf die muss man leider verzichten. Dafür gibt es deutsche Untertitel für diejenigen, die des Englischen nicht so mächtig sind. Musikalisch kann man dagegen wieder aus dem Vollen schöpfen. Alle Stücke passen sich hervorragend ein und bilden zusammen mit den gelungenen Soundeffekten ein stimmiges Gesamtbild für jede Spielszene.

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Wer auf wirklich bockschwere Kost steht und den ein oder anderen Roguelike im Handumdrehen absolviert, der sollte sich trotz eines komplett anderen Genres mal an Gods Will Be Watching probieren. Denn was Teleglitch und Co. für Roguelikes ist, ist GWBW für das Adventure Genre. Dieser düstere Sci-Fi Thriller besticht durch eine spannende und vor allem glaubwürdige Geschichte, wenn man es denn spielerisch durch die einzelnen Kapitel schafft. Diese schwere Herausforderung spiegelt aber auch gleichzeitig die Schwierigkeit der Situationen wider, in denen man sich so oft im Spiel befindet.

Für $10 (ca. 7,5€) kann man sich das Spiel über das Humble Widget auf der Homepage kaufen (Steam Key inkl.).  $20 bringen einem dazu noch den gelungenen Soundtrack sowie ein Artbook und einen Comic. Alternativ greift man für 9€ direkt über Steam zu.