Test: Pandora First Contact – das bessere Civ/Alpha Centauri?

Test: Pandora First Contact – das bessere Civ/Alpha Centauri?
Spielspaß
4
Umfang
4.5
Grafik
4
Sound
3.5
Wertung
4.00

Mit Pandora ist heimlich, still und leise mal wieder ein 4x Spiel erschienen, welches zusammen mit Civivilisation 5, Master of the Arcane und vor allem dem alten Alpha Centauri in den Ring steigt. Auf den ersten Blick scheint es nichts besonderes, doch Pandora hat so einiges zu bieten. Wer Sid Meiers Spiele mochte, der könnte diesen Titel vielleicht sogar lieben. Was hier von den Proxy Studios gebaut und von Slitherine vermarktet wurde sieht ganz hübsch aus, klingt gut und ist spielerisch durchaus gelungen. Auch wenn man zu Anfang eine steile Lernkurve vor sich findet, so ist der Titel nach etwas Einarbeitungszeit mehr als fesselnd! Zwar bin ich seit Civilization 3 nicht mehr der allergrößte Fan dieser Art von Spielen (Civ 1 & 2 habe ich ewig gespielt), aber Pandora konnte mich als geistiger Nachfolger von Alpha Centauri endlich mal wieder an ein solches Spiel fesseln.

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Insgesamt ist Pandora ein durchaus gelungener geistiger Nachfolger von Alpha Centauri, der sich aus vielen Spielen gutes zusammensammelt und ordentlich verpackt. Sicher gibt es ein paar Ecken und Kanten, aber echte Strategen dürften an diesem Titel durchaus einige Freude haben, sofern sie über die an ein paar wenigen Ecken schlechte Präsentation hinwegsehen. 
In Pandora First Contact bringt uns unsere Reise direkt zum gleichnamigen Planeten auf dem wir eine von  6 auch spielerisch leicht unterschiedlichen Rassen wählen. Anschließend gilt es den Planeten zu kolonialisieren und alles andere am Besten aus dem Weg zu räumen. Schon in den Einstellungen wird deutlich, dass der Titel sehr flexibel beim Anlegen des Spiels ist. Die Karte ist z.B. in der größten Variante mehr als 11 Mal so groß wie bei der kleinsten Karte. Somit hat man hier die perfekte Auswahl für eine kleine oder eben große Partie. Natürlich gibt es auch einige Stufen dazwischen genau wie man die Art der Welt wählen kann. So gibt es Inseln, Kontinente und Archipele oder einen Riesenkontinent. Dann noch schnell einen von 5 Schwierigkeitsgraden und die Aggressionsstufe der neutralen Aliens wählen. Wer will, der kann natürlich auch noch allerlei andere Funktionen in den erweiterten Einstellungen konfigurieren und so noch mehr Einfluss auf die Gestaltung der Herausforderung nehmen. Und schon geht nach einem Intro hinein ins Gefecht auf Pandora. Der Spieler und die KI beginnen nur mit ein paar Einheiten die zum Erkunden und zum Stadtbau dienen. Alles weitere muss man sich hart erarbeiten.

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Auf dem ersten Spielbildschirm angekommen wird man von einer deutschen Sprachausgabe begrüßt und man erfährt, was die eigene Rasse so macht. Sofort fällt einem auf, dass irgendwie alles wie bei “Civ” aussieht. Doch davon sollte man sich nicht beirren lassen, denn schließlich ist das Layout und alles weitere eben ein echter Klassiker. Lieber gut übernommen (“geklaut”) als schlecht selbst gemacht gilt in diesem Fall für mich.  Zuerst suche ich mir mit meinem Kolonisator ein schönes Plätzchen für meine erste Stadt.  Keine Sekunde später wandere ich schon mit der ersten Erkundungseinheit durch die Welt und suche nach Orten, Gegnern und guten weiteren Stadtbauplätzen. Im Grunde nichts anderes als das was man auch schon in allen Civ-Spielen gemacht hat. Doch hier wird einem spätestens nach ein paar gebauten Einheiten klar, dass es in diesem Titel wieder das aus Civ4 bekannte Einheiten-Stacking gibt. Man kann also mehrere Einheiten auf einem Feld platzieren und muss so nicht die ganze Karte mit Einheiten bestellen um genügend Platz zu haben. Ein meiner Meinung nach richtiger Schritt, sich hier nicht an Civ 5 zu halten.

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Ein weitere Bonus für den geistigen AC-Nachfolger ist das aus dem Titel übernommene Einheiten-Modelling. Man kann sich in Pandora seine Einheiten selbst zusammenstellen. Die Wahl von Waffen und Ausrüstung können bei jedem Bau selbst bestimmt werden, so dass man nicht nur einen Panzer mit einer ganz normalen Wumme herstellen kann. Stattdessen gibt es verbesserte Panzerung, Raketen und viele weitere Möglichkeiten der Individualisierung. So baut man sich z.B. ein paar Infanteristen mit Bonus gegen humanoide Einheiten und an der anderen Front welche gegen Panzer und anderes metallisches Gefährt. Braucht man allerdings mal diese Einheiten in einem anderen Kampf, so sollte man lieber wegrennen denn das Stein Schere Papier Prinzip greift hier klar und deutlich.

Etwas schlechter sieht es allerdings mit der Stadtverteidigung aus. Hier hätte ich mir etwas mehr Möglichkeiten beim Ausbau der Stadt gewünscht. Stattdessen muss man leider jede Menge eigener Einheiten in der Stadt stehen lassen, damit diese nicht einfach mal eingenommen wird. Denn in Pandora reicht die kleinste Truppe um eine riesige Stadt zu besetzen, sofern gerade niemand in der Stadt ist.

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Ist man erst einmal mit dem Spiel und der Optik warm geworden, so merkt man schnell dass Pandora noch eine weitere Besonderheit besitzt. Der Titel bietet zufallsgenerierte Techtrees, in denen man sich allerlei Sonderfunktionen freischalten lässt. Besonders komfortabel ist dabei die automatische Erinnerung bevor man eine Runde beendet. Hat man also vergessen weiter zu forschen, so hilft einem das Spiel schnell auf die Sprünge und man ärgert sich nicht über das Vergessene. Auch sonst gibt es ein wenig Abwechslung. Wie aus anderen Titeln bekannt kann ich die Regionen um meine Stadt modifizieren um so für mehr Nahrung oder schnellere Bewegung zu sorgen. Dazu kommt noch ein recht leichtes, aber dennoch ordentliches Diplomatie-System in dem man sich mit den anderen Fraktionen streiten kann und Geldgeschenke hin und her sendet.

Das restliche Spielprinzip lastet natürlich auf dem oben erwähnten und so vergeht Runde um Runde in der man seine Strategie plant, Einheiten pumpt und Gegner über den Jordan schickt. Das Ganze ist in eine weitgehend ansehnliche Grafik gepackt, die hier und da mal ein paar schwammige Texturen aufweist (z.B. die pink-hellblauen Pilze auf der Karte). Vermehrt ist dies aber nur in der größten Zoomstufe zu sehen, so dass man nicht unbedingt meckern muss.  Etwas mehr hätte ich mir noch beim Interface gewünscht. Hier wirkt alles doch sehr blass und steril. Klar das “Future-Flair” kommt dabei rüber und die Schriftart ist gelungen ins Setting integriert, aber etwas mehr hätte man dennoch aus der UI herausholen können.

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Gelungen ist nach meinem Geschmack vor allem, dass ein Indie-Titel wie dieser sogar eine deutsche Sprachausgabe aufweist. Dies ist so nicht selbstverständlich. Auch wenn die Sprecherin teilweise doch etwas gelangweilt klingt, so habe ich ihr bei den ersten “Vorlesungen” doch noch zugehört. Später ignoriert man das “BlaBla” allerdings recht schnell. Die Musikuntermalung sollte bei einem solchen Titel ja immer dezent sein und ich muss gestehen, dass sie mir weder positiv noch negativ großartig aufgefallen ist. Man könnte also sagen sie hat weitestgehend alles richtig gemacht. Ich habe sie im Hinterkopf gehört, aber mich dabei immer auf das Spiel selbst konzentriert.

Insgesamt ist Pandora ein durchaus gelungener geistiger Nachfolger von Alpha Centauri, der sich aus vielen Spielen gutes zusammensammelt und ordentlich verpackt. Sicher gibt es ein paar Ecken und Kanten, aber echte Strategen dürften an diesem Titel durchaus einige Freude haben, sofern sie über die an ein paar wenigen Ecken schlechte Präsentation hinwegsehen. Auf Pandora werde ich sicher noch den ein oder anderen Abend verbringen und meine Öko-Aktivisten zum Sieg auf dem Planeten führen. Der Titel ist – Oh Wunder – nicht über Steam erhältlich. Stattdessen muss man sich die kleine Perle über den Shop von Matrix Games kaufen. Das Spiel kostet dort 23,99€, was für einen Zeitfresser aus dem 4X Genre durchaus in Ordnung ist.

 

 

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