Test: Shadowrun Returns

Test: Shadowrun Returns
Spielspaß
3.5
Umfang
4
Grafik
3
Sound
3
Wertung
3.38

Mit Shadowrun Returns von Harebrained Schemes LLC erschien vor ein paar Wochen nach langer Durststrecke mal wieder ein Shadowrun Ableger am PC. Ob sich die hier angebotene Mischung aus Fantasy und Sci-Fi lohnt und die Entwickler ihre Versprechen halten konnten, erfahrt ihr jetzt.

Als vor knapp 15 Monaten die Kickstarter Kampagne von Shadowrun Returns das Licht der Welt erblickte waren viele direkt Feuer und Flamme. Nach so langer Zeit ohne Shadowrun am PC wurde es wirklich mal wieder Zeit. Und die Community zeigte, dass die Zeit mehr als reif war. Einen Monat nach Start der Kampagne waren nicht nur die geforderten 400.000 Dollar für eine erfolgreiche Kampagne zusammen gekommen. Der Betrag konnte auf das 4,5fache erhöht werden. Über 1.800.000 Dollar standen bereit für ein lange vermisstes Universum. Seither haben die Entwickler fleißig am Spiel gewerkelt und dies Mitte diesen Jahres auf Steam veröffentlicht.

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Wie es sich für Shadowrun gehört findet man sich in einer futuristischen Welt samt Cyberspace wieder, ohne aber auf Fantasy-Rassen verzichten zu müssen. Egal ob Trolle, Orcs, Zwerge, Elfen oder Menschen – nichts wurde gestrichen. Und so wählt man zum Start einen männlichen oder weiblichen Helden aus, mit dem man die Welt bereist. Ein paar Einstellungen wie Haarfarbe und Form sowie Bart und Hörner kann man einstellen. Allerdings darf man hier kein Age of Conan erwarten – wozu auch. Hat man seinen Charakter (bei mir ein kleiner böser Fernkampfzwerg) erstellt, wählt man zwischen diversen “Klassen” und seiner Art im Umgang mit anderen Personen (Etiquette).

Ist dies geschafft geht es sofort in die Welt, besser gesagt die eigene Bude. Hier angekommen findet man sich ziemlich schnell zurecht. So gut wie alles wird mit der linken Maustaste erledigt. Gehen, Schießen, Durchsuchen, Gegenstände aufnehmen – alle Entscheidungen nimmt einem das Spiel automatisch ab. Wer sich an Maniac Mansion erinnert weiß, dass man hier auch ganz anders verfahren könnte. ;-) Aber wir sind hier in einem RPG und nicht in einem klassischen Adventure.

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Die erste Kontaktperson die man trifft ist Sam Watts, ein alter Kollege und Trinker, dem man sein Leben min. einmal verdankt. Doch dieser hat das Zeitliche gesegnet und bittet darum, seine Leiche zu finden und gegen Geld Recherchen zum Mord anstellen. Gesagt getan versuchen wir herauszufinden was wirklich passiert ist. Ihm wurde die Leber entfernt und scheint nicht das erste Opfer zu sein. Allem Anschein nach gibt es einen Serienkiller, der in der Stadt sein Unwesen treibt. Doch was nun…

Und ehe man sich versieht steckt man schon im ersten Kampf. Im Grunde ist es genau wie im sonstigen Erforschen der Karten über einen Linksklick möglich an die gewünschte Stelle zu laufen. Beginnt allerdings der Kampf wird die Entfernung die wir uns bewegen können beschränkt und unsere sogenannten Aktionspunkte werden limitiert. Egal ob schießen, laufen, heilen oder Granate werfen – alles kostet Aktionspunkte. Ist der Vorrat erschöpft sind die manchmal zu befehligenden Mitstreiter und abschließend Gegner an der Reihe. Und so spielt man den rundenbasierten Kampf aus und versucht dabei hinter Mauern, Tischen und Kisten in Deckung zu gehen, um möglichst wenig Schaden zu nehmen. Auf der anderen Seite bringt man sich so gut in Position um mit der Shotgun am Besten gleich mehr als einen Gegner zu treffen, der anschließend das Zeitliche segnet. Hat man alle Gegner besiegt endet der Kampf automatisch und man kann sich wieder frei bewegen oder verlässt ggf. den Ort der extra für den Kampf betreten wurde.

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Der Kampf selbst weißt leider auch nicht die größte Vielfalt auf. Weder verschiedene Ebenen noch echte Deckung hinter Mannshohen Kisten ist vorhanden. Zumindest alleine im ersten Kampf konnte ich durch Kisten schießen, die aufeinander standen und so eigentlich den Blick versperrten (LoS?). Anonsten schickt man ab und an mal Drohnen oder beschworene Kreaturen los, aber ansonsten wird einfach ein Gegner nach dem anderen fokussiert und man geht dabei nie als Verlierer vom Feld. Die KI ist dabei leider nicht auf der Höhe der Zeit. Rennt man mit einer Figur aus Versehen direkt vor einen Gegner statt ihn anzugreifen, so hätte er die perfekte Gelgenheit für einen Treffer aus bester Entfernung. Stattdessen läuft der Gegner davon und geht in Deckung. Ein wenig wie “Verstecken” in meinen Kindertagen. Ach und wer gehofft hatte, dass der Cyberspace etwas besonderes bietet, der wird leider auch enttäuscht. Denn es wird einfach nur das Grafikset getauscht.

Was mir wiederum sehr gut gefallen hat ist die absolut flexible Charakterentwicklung. Egal wie man sich entscheidet – ob Nahkampf, Magie oder Fernkampf – jeder baut den Charakter der ihm gefällt. Dabei investiert man die durch Quests gewonnenen Karmapunkte in die verschiedenen Trees. Durch die Freischaltung einzelner Stufen werden weitere passive oder aktive Fähigkeiten freigeschaltet wie z.B. ein weiterer Waffenslot. Zur Auswahl stehen neben den Grundattributen auch zu dem jeweiligen Attribut zugehörige Subtrees in denen man sich um Drohnen, einzelne Waffen oder das Hacken spezialisiert.

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Leider kommt das Spiel komplett ohne Sprachausgabe daher und wirkt so leider etwas karg. Es gibt zwar keine riesigen Berge an Texten (die berühmte Wall of Text), aber dennoch kommt nicht so recht die perfekte Stimmung auf, wenn man vorher mal Dear Esther oder andere Spiele mit guter Sprachausgabe gespielt hat. Es hätte einfach noch viel besser werden können, auch wenn die Soundkulisse und vor allem die Hintergrundmusik wirklich gut gelungen sind. Die Texte sind klasse geschrieben und treffen die Vorlagen aus den Büchern sehr gut. Ein rauher, witziger und auch teils kesser Unterton schwingt in vielen Sätzen mit. Allerdings braucht man schon ein wenig Geduld um die längeren Dialoge zu lesen und das Englisch sollte nicht allzu eingerostet sein. In eben diesen Dialogen kommen dann auch zum Teil die ausgewählten Einstellungen beim Erstellen des Charakters zum Vorschein. Die Antworten können durchaus variieren.

Die Grafik an sich ist ganz hübsch gezeichnet, auch wenn keine Bäume herausgerissen werden. Alles wirkt vom Setting her stimmig und passt mehr oder weniger gut zur Shadowrun Welt. Allerdings mangelt es der Welt an Animationen, so dass alles recht ruhig und langweilig wirkt. Etwas mehr Leben hätte hier sehr gut getan. Denn auch wenn die Zoomfunktion relativ dürftig ausfällt hätte man so zumindest etwas Sinn darin gesehen auch mal nah einen PC zu zoomen, der vielleicht einen lustigen Spruch durchlaufen lässt oder eine Ratte an einem Bein nagt etc.

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Doch zurück zum Spiel selbst. Gerade in den ersten Szenen des Spiels merkt man, dass die Freiheit in der Bewegung stark eingeschränkt ist. Die Maps sind sehr klein und es gibt nicht viel zu erkunden. Auch in den Städten fällt das Ganze nicht sonderlich groß aus. Zwar kann man hier schon von “mehreren Bildschirmen” reden, die eine Stadt einnimmt, allerdings ist mehreren auch schon relativ beschränkt. Ein wirkliches Gefühl von Freiheit kommt nicht auf. An jeder Ecke gibt es eine Straßensperre oder Wand/Zaun zu sehen, die das Weiterlaufen blockiert.

Auch die Sammelleidenschaft fällt doch recht schwach aus. Gegner lassen nichts fallen und auch so gibt es nicht sonderlich viele Objekte die man öffnen könnte. Man braucht sich also eigentlich kaum auf die Suche machen. Der Mauscursor zeigt einem schon relativ schnell alles an, was angeklickt werden kann. Auch das Drehen der Karte/Welt ist nicht vorhanden. Allerdings wird es ja auch nicht gebraucht. Wiederum gut umgesetzt ist der “Markt” im Spiel. Bei den Händlern gibt es eine Vielzahl von Waffen und auch Körper-Erweiterungen. Ein neuer Cyber-Arm gefälligst? Kein Problem dank modernster Technik. Wer Project Zomboid gespielt hat, der weiß, dass man hier hätte viel tiefgründiger herangehen können. Ein kleines Crafting System mit Ressourcen die in Schränken und Kisten liegen etc. hätte dem Spiel sicher sehr gut getan.

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Das Speichersystem in Shadowrun Returns zählt auch eher zur schlechten als zur guten Seite. In Zeiten des freien Speicherns sogar bei Shootern mitten im Gefecht hätte man hier doch auch eine Möglichkeit schaffen können überall zu speichern. Allerdings haben sich die Entwickler dafür entschieden, dass man nur beim Wechsel einer Karte speichert.. und zwar automatisch.

Alles in Allem ist Shadowrun Returns zwar kein schlechtes Spiel, aber auch kein besonders gutes. Alles dümpelt so im Mittelfeld herum und man hätte so viel mehr daraus machen können. Dennoch ist es für Shadowrun Fans sicher einen Blick wert. Und wer eine gute Story über den Rest stellt, der darf auch ruhig zugreifen. Auf Steam kann man für faire 19€ das Spiel kaufen.