Test: The Golf Club

Test: The Golf Club
Spielspaß
3.5
Umfang
4
Grafik
3
Sound
3.5
Wertung
3.50

Im Indie Genre ist man ja eher selten von Sporttiteln umgeben. Seltene Ausnahmen wie Frozen Cortex (ehemals Frozen Endzone) kommen dann auch eher in außergewöhnlichen Settings wie z.B. Sci-Fi daher. Doch die HB-Studios haben mit Publisher Plan of Attack nun The Golf Club veröffentlicht. Der Titel ist eine – im Kern ganz klassische – Golfsimulation zum entspannten Abschlagen und Putten. Natürlich hat man versucht das Genre ein wenig aufzumöbeln, indem man z.B. eine prozedurale Platzgestaltung integriert hat. Außerdem können Träumer sich ihre ganz eigenen Golfplätze im umfangreichen Editor bauen und so den Wunschplatz erschaffen. Ob das aber reicht, um ein guter Golfer-Titel zu sein und ob das Spiel rundum gelungen ist erfahrt ihr jetzt!

Wer mit der durchschnittlichen Grafik leben kann und gerne golft, der darf zumindest mal einen 2. Blick auf The Golf Club werfen.
Die erste Überraschung ereilte mich beim ersten Start von The Golf Club. Der Titel ist doch tatsächlich in der Unity Engine gebaut. Ein weiteres Merkmal dafür, wie vielfältig die vor allem bei Indie-Entwicklern beliebte Engine ist. Nach einer doch recht ausdauernden Ladezeit lande ich im Hauptmenü und stelle fest, dass man hier doch ein wenig mit Sparflamme gearbeitet hat. Es gibt nur wenige Menüpunkte wie z.B. Spielen (Turnier/Turnierserie oder eine Runde), Kurs designen, Abschlag und Wettbewerb erstellen. Dazu noch ein paar Einstellungen, Social Links und fertig ist der Golfer. Anhand dieser Menüpunkte merkt man direkt, dass das Spiel keinen echten Karrieremodus besitzt und auch bei der Gestaltung meines Golfers hat der Titel nur wenige Möglichkeiten für die Kleidung parat. Ein Cappy, ein Handschuh, ein Polohemd, eine Hose und ein paar Schuhe in jeweils 5-20 unterschiedlichen Farben und wenigen Designs sind alles was möglich ist. Des Weiteren merkt man direkt, dass hier keine PGA Tour Lizenz oder irgendwelche anderen Lizenzen vorlagen. Es gibt keine namhaften Golfer oder berühmte Plätze, die gespielt werden können. Alles steht und fällt mit dem Kursgenerator.

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Dieser ist auch für Einsteiger super einfach zu bedienen. Zuerst wählt man aus 5 verschiedenen Landschaftstypen von Wüste bis Wald seine Wunschregion aus (Palmen in saftigem Grün sind leider außen vor) und legt bei ein paar Reglern noch die Dichte der einzelnen Hindernisse und Randbegrenzungen wie z.B. Bäume fest. Dazu kann man noch die Hügeldichte und den Schwierigkeitsgrad sowie die Lochanzahl verändern. Einen Klick später steht der neue virtuelle Golfkurs schon bereit und man hat einige Millionen gegenüber einem echten eigenen Kurs gespart. Fleißige Designer können nun sogar noch selbst Hand anlegen indem sie das Layout des Kurses verändern, Gebäude oder Pflanzen platzieren oder einfach mal den Bunker in seiner Größe verdoppeln. Leider kann man bisher aber keine Zuschauer rund um die Plätze verteilen, so dass man sich stetig einsam vorkommt. Detailverliebte werden diese Funktionen vielleicht nutzen, aber den meisten reicht sicherlich der erste, simple Generierungsteil. Dennoch ist für Tüftler genug Potential vorhanden.

Dank der Community gibt es schon extrem viele Plätze, die gespielt werden können. Wer also statt der Zeit im Editor diese auf dem Platz verbringt, der wählt einfach aus den teils sehr gelungenen Plätzen einen aus und spielt los. Mir hat z.B. der Kurs Haunted Forest CC at Yeti Lake gut gefallen. In herbstlicher Atmosphäre spielt man eine gemütliche Runde zwischen Brücken und Bäumen. Natürlich wie erwähnt ohne Zuschauer – logisch: der Platz heißt ja auch “Haunted”. Aber es gibt auch noch eine Vielzahl weiterer guter Kurse.

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Schade ist allerdings, dass man nach dem Erstellen seiner eigenen Plätze oder dem Laden von fremden Kursen schon Ahnung vom Golfen haben muss. Denn ein Tutorial, das für Golfeinsteiger eigentlich unabdingbar ist, sucht man vergeblich. Erst kann ich mich nicht mal weiterentwickeln und dann werde ich auch nicht an die Thematik herangeführt…! Gut, dass ich erst kürzlich einen Golfkurs samt Platzreife absolviert habe und zumindest die Grundregeln beherrsche – aber nicht das Spielen! Wer also gern ins Ungewisse springt, der ist bei The Golf Club genau richtig. Allerdings ist das auch nicht weiter schlimm, da man zumindest Anfangs zwar Fehler macht, aber den Ball immer trifft. Lediglich die Schlagrichtung oder Schlagkraft beim Putten mag mal so richtig daneben gehen, aber zumindest ordentlich getroffen hat man immer.

Man kann also sagen, dass die Physikengine hinter The Golf Club durchaus akzeptabel ist. Die meisten Schläge erscheinen realistisch (zumindest wenn man in Echt auch Golf spielen kann), doch ab und an gibt es auch mal komische Aussetzer. Das mag allerdings auch an meiner Vorliebe für Maus und Tastatur liegen. Immer wieder ziehen meine Schläge arg nach links oder rechts weg, obwohl ich versucht habe gerade mit der Maus abzuschlagen. Dass ich dann vor einem Baum lande steht wohl außer Frage. Dennoch kann man bei den weiten Schlägen mit einer ruhigen Hand und einem Controller nicht allzu viel falsch machen. Spannender ist da das Putten. Hier muss man doch das ein oder andere Mal – je nach Schlagentfernung – ein wenig nachjustieren, damit der Ball auf einem hügeligen Grün nicht links oder rechts am Loch vorbei rollt. Hat man den Dreh dafür aber einmal raus, weiß man genau worauf man achten muss. Anschließend sitzt fast jeder Putt. Für mich als absolute Amateuer waren die Schlägerselektion und Grundeinstellungen immer in Ordnung. Profis können mit ihrem nötigen Wissen aber sicher auch einiges mehr aus den Schlägen herausholen.

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Optisch holt The Golf Club zwar schon einiges aus der Unity Engine raus, aber so Next Gen die Grafik auch sein soll, gefunden habe ich diesen Teil im Spiel nicht. Immer wieder poppen allerlei Objekte im Hintergrund auf, anstatt sanft eingeblendet zu werden. Auch das stetige Flackern bei den Überflügen der Plätze mit meiner Nvidia Grafikkarte ist leicht anstrengend. Wenn die Kamera aber mal still steht (z.B. beim Abschlag) dann sieht man schon ganz hübsche Wassereffekte und auch das saftige Grün und das Rough ist zumindest einladend, auch wenn man ins zweitgenannte eher weniger schlagen sollte. Die Bäume hätten dagegen noch etwas schöner ausfallen können. In der Kategorie Audio kann der Titel vor allem mit dem Sprecher punkten. Dieser gibt ständig Kommentare zu den gemachten Schlägen ab und lässt dabei Lob und Tadel in Hülle und Fülle raus. Man könnte fast meinen, dass der Kommentator ein guter Freund von einem ist. Die Musikuntermalung ist eher unscheinbar und zaubert keine beeindruckenden Stücke hervor, störend ist sie aber auch nicht – ein gutes Zeichen. Die restlichen Effekte für das Treffen des Balles, das Plätschern beim im Wasser versenken etc. sind durchaus in Ordnung.

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Einen echten Live-Multiplayer Modus gibt es nicht. Dafür darf man gegen sogenannte Ghosts oder Geister antreten. Das sind Aufzeichnungen anderer Spieler, die diesen Platz schon bespielt haben. So ist man zwar immer noch allein, aber hat zumindest etwas, das einem einen Anreiz bietet alles aus sich heraus zu holen. Alternativ wälzt man sich durch eine Vielzahl an Statistiken über seine eigenen Spiele und Schläge und versucht Stellen für Verbesserungspotential zu finden.

The Golf Club ist sicher kein Überflieger geworden, da es hier und da doch an ein paar Grundelementen mangelt. Dennoch könnten Golf-Amateure Spaß an der Simulation finden, da man schier endlos viele Plätze spielen kann und die Physik gelungen ist. Man kann sich alle Zeit der Welt nehmen und einfach jederzeit in seinem Spiel ein- und aussteigen. Schade ist nur, dass ein Karriere-Modus fehlt, bei dem man sich irgendwie weiterentwickeln kann. Wer mit der durchschnittlichen Grafik leben kann und gerne golft, der darf zumindest mal einen 2. Blick auf The Golf Club werfen. Für 31,99€ kann man sich auf Steam eine Kopie des Spiels in seiner Bibliothek sichern. Für alle anderen hier noch ein Trailer zum Spiel: